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Schweden 2006

…Jens und ich entschließen uns, den Platz an einer Felseninsel zu verlassen, um eine flache Bucht zu befischen. Ich stoppe das Boot auf, Jens lässt den Anker langsam ins Wasser gleiten. Wir werfen gleichzeitig aus und innerhalb weniger Sekunden ruft Jens:“ Fisch on!“. Nach der Landung kommt von ihm der von mir oft gehörte Spruch, wo ein Hecht sei, wären auch zwei. Er sollte Recht behalten. Der nächste Wurf in die gleiche Richtung findet den zweiten Hecht nach wenigen Kurbelumdrehungen. Dieser Fisch kämpft deutlich besser und stellt sich als Mitte 70er heraus. Frei nach dem Motto „Dreimal ist Ostfriesenrecht“ steht Jens auch nach dem dritten Wurf mit krummer Rute grinsend im Boot, hatte ich ihm doch gesagt, eine gute Stelle, und er könne jeden Rückstand schnell aufholen.

 

Doch möchte ich von vorn beginnen. Es war September. Nach dem obligatorischen Besuch bei Angel-Ussat, fanden bereits Ende September die ersten Treffen unserer Schwedengruppe statt. Neben organisatorischen Dingen wurden Montagen vorbereitet und allerlei Sachen besprochen und diskutiert, schließlich war die Region, in die wir in diesem Jahr waren, völliges Neuland für uns. Am 6. Oktober ging es endlich los. Wir starteten mit zwei Pkw’s und zwei Booten mit insgesamt acht Personen in Richtung Malmö. Zwei weitere Boote hatten wir im Vorfeld gemietet, um ausreichenden Platz zu haben. Wie in den Jahren zuvor gehörte auch diesmal die Fahrt mit der TT-Line zum Urlaub dazu, die wir dazu nutzen, die erste kleine Einstimmungsparty zu feiern.

Am Samstag morgen verließen wir die Fähre und trafen um ca. 14 Uhr an unserem Ziel ein. Nach kurzer Absprache mit unserem Vermieter saßen wir keine 30 Minuten später in einem der 4 Boote.

Wir hatten nicht viel Zeit, dennoch waren wirklich alle wie von der Tarantel gestochen. Unterschiedliche Bereiche wurde ausprobiert, hauptsächlich allerdings die Schilfkanten. Nach einigen Hechten nahte die Dämmerung und wir trafen uns gut gelaunt in der Villa mit Blick auf die Schären. Traumhaft!

Der nächste Morgen begann um halb sieben. Überall sammelten wir Hechte ein, doch die Wassertemperatur von bis zu 15° machte die Fischerei nicht einfach. Nach dem ersten vollständigen Angeltag mit über 70 Hechten entschlossen wir uns daher, die nächsten Tage hauptsächlich die Felseninseln zu befischen. Unsere Entscheidung schien richtig gewesen zu sein, denn das Durchschnittsgewicht der Hechte wurde deutlich besser. Mehrfach kamen Hechte mit mehr als 80cm ins Boot, der größte immerhin 1,03 Meter.

Da wir bei der Befischung der tieferen Wasserschichten allerdings deutlich weniger Bisse bekamen, fischten wir weitesgehend in mittleren Tiefen bis 9 Meter. Wir versprachen uns dadurch viele Bisse, mit einer guten Chance auf einen richtig großen Hecht. Schließlich waren wir zum Spaß hier, und keiner hatte Lust, sich wirklich abzumühen.

Leider hatten wir auch in diesem Jahr wieder zwei sehr schöne Tage mit Windstille und Sonnenschein, die uns das Fischen sehr erschwerten. An einem dieser Tage fingen wir mit der ganzen Gruppe nur 28 Hechte. Als Mitte der Woche der Wind zunahm, ließen sich die Hechte dann wieder problemlos überlisten, und Frank bewies, dass es möglich war, 23 Hechte zu landen.

Am Schilf wären die Bedingungen für gute Stückzahlen bei zunehmendem Wind sicherlich sehr gut gewesen, doch auch Arnold zeigte uns, dass die größeren Hechte tiefer standen. Ein wirklich großer Hecht verabschiedete sich im Drill! Dennoch waren wir alle zufrieden, waren doch die Bedingungen wetterbedingt eher schlecht, und das Gebiet absolutes Neuland. Die Wahl der Angelstellen war ein gutes Mittelmaß zwischen Massen- und Klassenfang. Jeden Abend hatten wir eine Menge zu erzählen, es wurde unglaublich viel gelacht, und wie in den Jahren zuvor waren sich acht Ostfriesen stets einig. Wir fingen insgesamt 328 Hechte, die nach der Landung wieder in die Freiheit entlassen wurden. Einige wenige Fische mussten entnommen werden, sie stellten aber eine leckere Mahlzeit dar. Auch die Barsche waren in bester Laune. Fanden wir einen Schwarm, so wurden sehr viele der gestreiften Räuber gelandet.

   

Als wir am Samstag morgen in Richtung Heimat aufbrachen, waren doch alle etwas niedergeschlagen, ging doch die Woche viel zu schnell vorüber und auch die Anstrengung zeigte ihre Wirkung. Jedoch waren alle gespannt, denn wir planten wie in jedem Jahr eine Pause am Lachsfluß Morrüm ein. In den letzten Jahren hatten wir meistens Glück und konnten eine aufsteigende Meerforelle oder einen Lachs aus kürzester Entfernung sehen. Kurz bevor wir in Mörrum eintrafen, sprachen Arno und ich noch darüber, dass wir in diesem Jahr durch die höheren Wassertemperaturen möglicherweise besonders viel Glück haben könnten.

Es war der Wahnsinn!! Wir standen keine zwei Minuten an der Stromschnelle, bis der erste Salmonide sein Glück versuchte. Danach sahen wir Lachse und Meerforellen wie nie zuvor. Sie sprangen teilweise direkt vor unseren Augen meterhoch aus dem Wasser, es waren mit Sicherheit Fische über 10 Pfund dabei. Einige Sprünge konnte Frank sogar mit seiner Kamera festhalten. Einfach ein tolles Erlebnis und ein denkwürdiger Abschluß, der uns auch im nächsten Jahr wieder in dieses traumhafte Land locken wird!!

 

Viele Grüße, Ralf, Frank, Arno, Jens, Gerrit, Rudi, Arnold und Arend