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Hechte „satt“ im schwedischen Schärengarten


Anreise

Zum wiederholten Male zog uns drei im Herbst 2004 mit fünf befreundeten Ostfriesen in den schwedischen Schärengarten. Das Gebiet liegt in der Ortschaft S:t Anna Skärgard in der Söderköpings Kommun, ungefähr 200 km südlich von Stockholm. Wie die Jahre zuvor fuhren wir mit der Fähre TT-Line von Travemünde nach Trelleborg und von dort aus mit zwei Pkw’s über Linköping in Richtung Stockholm. Die Fährüberfahrt würde ich in jedem Fall vorziehen. Mit den Preisen kann man gut leben, wird eine Schlafkabine gebucht, kann man nach gutem Essen und einem Gläschen Bier noch ein paar Stunden schlafen. So kommt jeder ausgeruht und entspannt am Ziel an. Am Samstag Mittag trafen wir im kleinen Ort S:t Anna ein. Ein privates Fischerboot brachte uns mitsamt unserer Ausrüstung zur Insel Risö, wo wir schon freundlich von Olle Helmerson und seiner Frau Sissi empfangen wurden. Sie übergaben uns die vier Motorboote sowie die Schlüssel für zwei kleine Holzhäuser. Die Boote sind mit 5 PS starken 2-Takt Außenbordmotoren, Rudern und einem Anker ausgestattet. Benzin kann jederzeit bei Olle gekauft werden. Von dem beleuchteten Bootssteg mit Schlachtmöglichkeit sind es nur einige Meter zu den Holzhäusern, die einfach aber ausreichend eingerichtet sind.

Nachdem wir alles verstaut hatten, sollte es zur ersten Erkundungstour gehen. Mit je zwei Personen pro Boot schwärmten wir in alle Richtungen aus. Zeit für längere Bootsfahrten hatten wir nicht mehr, trotzdem konnten wir unseren ersten Angeleifer mit ca. 20 Hechten stillen. Wir fischten in den Schilfbuchten mit Gummifischen in natürlichen Farben.


Die richtige Taktik…

Um auf dieser riesigen Fläche geeignete Gewässerabschnitte zu finden, sollte man sich in Ruhe die Tiefenlinien auf den Gewässerkarten anschauen. Wir bevorzugen Gebiete, die durch größere Inseln etwas von der Ostsee abgeschottet sind. In diesen Bereichen sehen die Inseln auch etwas anders aus. Während die Vegetation in Richtung Ostsee eher abnimmt, sind die Inseln weiter im Inland meist vollständig bewaldet. Außerdem gibt es deutlich mehr Schilf- und Krautbereiche. Der Salzgehalt nimmt in Richtung Küste zu, daher gibt es in diesen Gebieten auch mehr Quallen. Es mag Zeiten geben, in denen dicht an der Küste besser gefangen wird, im Oktober scheint sich die Mehrheit der Hechte im salzärmeren Wasser aufzuhalten. Mit dieser Grundlage kann man sich nun eine Inselgruppe oder große Bucht aussuchen, die am nächsten Tag beangelt werden soll. Um einen Anfang zu bekommen, würde ich zuerst Schilfkanten befischen, die schon in geringem Abstand auf eine Tiefe von 2-3 Metern abfallen. Beist es an diesen Kanten nicht, sollten tiefere oder flachere Bereiche gesucht werden, bis sich Erfolg einstellt. Meist kann dann an ähnlichen Stellen mehrere Tage lang gut gefangen werden.

 

…und Technik

Ist das Ziel erreicht, sollte man sich, wenn vorhanden, mit der anderen Bootsbesatzung absprechen. Wir fahren meist mit beiden Booten langsam in eine Bucht oder Schilfkante und ankern in einem Abstand von ungefähr 20 Metern vor dem Schilf. Nach einigen Minuten ohne Biss überholen wir das neben uns liegende Boot. Mit diesem Rotationsprinzip hat man schnell herausgefunden, ob sich Hechte in einer Bucht aufhalten. In relativ kurzer Zeit hangeln wir uns von Kante zu Kante und von Bucht zu Bucht. Der eine oder andere Hecht geht dabei häufiger an den Haken, die Mehrheit steht allerdings in den meisten Fällen konzentriert an wenigen Plätzen. Erst wenn eine wirklich große Wasserfläche abgesucht wird, besteht die Chance auf einen echten Hot Spot. Manchmal fängt man den ganzen Tag über nur mäßig, um dann an nur einer Schilfkante Hecht auf Hecht zu landen.

Die Gummifische sollten sehr dicht an das Schilf geworfen werden, allerdings ohne ständig darin festzusitzen. Grundsätzlich sollte der Gummifisch direkt nach dem Einwurf langsam eingeholt werden. Ansonsten hängt sehr oft Kraut am Haken. Ist allerdings die Tiefe unter dem Boot und vor dem Schilf bekannt, so sollten auf jeden Fall während des Einholens kurze bis lange Pausen eingelegt werden, um den Köder dicht über die Krautschicht führen zu können. Je nach Tiefe benutzen wir 10 – 16 Gramm Erie- oder Rundköpfe und 16 cm Gummifische, die wir mit einem Zusatzdrilling versehen. Größere Gummifische fangen auch, lassen sich aber nicht so präzise ans Schilf werfen. Gerade an tiefen Kanten erfolgt der Biss häufig in der Absinkphase direkt vor dem Schilf.

 

Sonne und kräftiger Westwind

Am Sonntag sollte es dann richtig losgehen. Wir wollten mit jeweils zwei Booten unterschiedliche Gebiete beangeln. Zum einen, um uns nicht gegenseitig zu beengen, zum anderen um eine möglichst große Wasserfläche absuchen zu können. Ausgerüstet mit detaillierter Gewässerkarte, Echolot und Funkgeräten fuhren wir zeitig um 7.30 Uhr los.

Da wir schon einige Male dort waren, konnten wir zielstrebig nach einer guten halben Stunde den Lagnaströmmen erreichen. Wir beangelten flachere Schilfbuchten und tiefere Kanten mit 16 cm langen Gummifischen. Bei sonnigem Wetter fingen wir am besten mit schwarz-weißen, bei Bewölkung benutzten wie blau-weiße Kopyto-Shads der Marke Shadexpert. Wir fingen in den flacheren Buchten bis 2,5 Metern Wassertiefe viele Hechte bis 65 cm. An den Kanten zum tieferen Wasser bissen dann endlich die größeren Exemplare, einige davon in der Absinkphase teilweise direkt neben dem Boot.

Den absoluten Vorteil brachte tieferes Wasser mit Unterwasserpflanzen. Manchmal ragten diese bis direkt unter die Oberfläche, ein anderes Mal bedeckten sie lediglich den Gewässergrund. Die Köderführung sollte am besten immer diesen Bedingungen angepasst sein. Man kann sich ganz schön wundern, was es für einen Unterschied machen kann, wenn jemand konstant in der richtigen Tiefe fischt oder eben nicht…

Die klebrigen Grünalgen prophezeiten meistens keine so guten Stellen, ebenso zu klares und zu trübes Wasser. Krautfreie Buchten brachten nur sehr selten mehrere Bisse.

Da wir viele Angriffe in der Absinkphase hatten, wäre noch zu erwähnen, dass sich diese bei stärkerem Wind teilweise nur durch ein leichtes Rucken in der Schnur bemerkbar machten. Lieber einmal öfter auf Verdacht anschlagen, es hängt häufiger ein Hecht an der Angel als man zu Beginn vermutet.


Viel zu schönes Wetter

Am Montag und Dienstag hatten wir ebenfalls traumhaften Sonnenschein, jedoch auch völlige Windstille. An den guten Stellen des Vortages hatten wir so gut wie keinen Biss mehr. Das Wetter war einfach zu ruhig. Im Sonnenschein konnte mehrere Meter ins Wasser geschaut werden, das mochten die Hechte anscheinend nicht so gern. Als wir allerdings zu den schattigen Felseninseln wechselten, konnten wir dann wenigstens noch den ein oder anderen Hecht überzeugen. Trotz dieser Beißflaute landeten wir mit unserer Gruppe an diesen beiden Tagen immerhin 60 Hechte.

Im Gegensatz zu den anderen Tagen stellte sich der frühe Morgen und späte Abend als beste Fangzeit heraus. Außerdem fingen an diesen beiden Tagen Schockfarben wie neongrün und neongelb deutlich am besten.


Hechte ohne Ende

Als wir am Mittwoch vom Steg aus losfuhren, bemerkten alle den lang ersehnten, immerhin schwachen Südwind. Wir teilten unsere Gruppe wieder in zwei Viererteams auf und tuckerten los. Schnell hatten wir an diesem Tag festgestellt, dass die Schilfkanten, die im Wind und tiefem Wasser standen unschlagbar waren. Den ganzen Tag über versuchten wir immer wieder auch windstille Buchten, meist mit deutlich weniger Erfolg. Dabei war die Taktik immer die gleiche. Brachte ein Ankerplatz nicht nach zehn Minuten einen Biss, wechselten wir die Stelle. War ein guter Platz gefunden, war eigentlich der erste oder zweite Wurf ein Treffer. An einer Landzunge warfen mein Bruder Frank und ich gleichzeitig aus, hatten sofort Fischkontakt, und nach erfolgreichem Doppeldrill brachten die nächsten beiden Würfe ebenfalls wieder einen Doppeldrill. Dabei bissen auch die größeren Fische durchaus innerhalb der ersten Würfe. Ich konnte jedenfalls zwei Hechte über einen Meter jeweils beim ersten Wurf fangen.


Schilfspitzen im Wind…

Auch an den letzten beiden Tagen befischten wir fast ausschließlich Schilfgürtel, die in einem Abstand von ca. 10 Metern eine Wassertiefe von mehr als vier Metern aufwiesen. Ebenfalls bissen die Hechte an den windzugewandten Seiten merklich besser.

Ein absoluter Hammerplatz war immer die Schilfecke am Anfang und Ende einer Bucht oder Kante. An solchen Stellen waren so gut wie immer Fische zu fangen. Wurde übrigens ein guter Hot Spot gefunden, konnte mit dem wilden Platzwechsel aufgehört werden. Hier lohnte dann intensives Absuchen mit verschiedenen Farben und Techniken. An den beiden letzten Tagen haben wir super gefangen. Am Donnerstag landeten Frank und ich zu zweit 52 Hechte, dazu hatten wir noch unzählige Bisse, Nachläufer und einige Aussteiger. Von den anderen fingen ebenfalls einige mehr als 20 Hechte pro Tag und Person.


Fazit

Das Gerät sollte ständig kontrolliert werden. Die dauerhafte Belastung sorgt für einen Verschleiß, den viele sicherlich in ein paar Monaten nicht haben werden. Wir haben viele Dekors ausprobiert, mittelmäßig gefangen hat so ziemlich jede Farbe. Richtig sicher war es allerdings mit Schwarz-Weiß, Blau-Weiß und Grün-Weiß. Morgens und abends waren Schockfarben ganz gut. Sehr wichtig war der richtige Bleikopf. War er zu schwer, angelte man sich nur Kraut, war er zu leicht, ließen sich die Hechte nicht aus den Unterwasserpflanzen locken.

Andere Gäste der Insel fingen übrigens eine Meerforelle von über 10 Pfund auf Blinker, wir sahen außerdem Angler, die mit Vertikalzockern auf Barsche fischten.


Jedermannsrecht

Das Jedermannsrecht erlaubt in Schweden das Angeln im Schärengarten ohne Angelschein, Schonzeit, Entnahmeregelung und mit beliebig vielen Handangeln.

Außerdem ist das Zurücksetzen gefangener Fische nicht nur erlaubt, sondern erwünscht.

Wir landeten alle Hechte mit der Handlandung, die Mehrheit der Fische kann so mit etwas Übung und einer guten Pistolenzange problemlos gelöst und zurückgesetzt werden. Wird ein größerer Hecht gefangen, wird er am besten in einem Wiegesack gewogen und vermessen. Kleinere Gummifische sollten nicht verwendet werden, da sonst jeder Hecht den ganzen Köder inhaliert. Wir haben 448 Hechte gelandet, davon zwei Fische über einen Meter und einige darunter. Ungefähr 20 Fische von mittlerer Größe wurden abends verzehrt. Mehr Hechte zu entnehmen wäre unsinnig gewesen, würde Olle und Sissi stark schädigen und den traumhaften fischreichen Schärengarten gefährden.