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Auf dem Bod(d)en der Tatsachen

Sicherlich gehört das Boddengebiet rund um Rügen zu einem der besten Hechtreviere Europas. In den Medien liest und hört man fortwährend von den Ausnahmefängen sowohl was die Anzahl der Fische betrifft, als auch die enormen Einzelgewichte. In keinem anderen Gebiet werden mit so hoher Wahrscheinlichkeit Hechte über einen Meter Länge erbeutet. Schaut man sich das Revier allerdings vor Ort an, kommt man schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Die Wasserflächen sind unendlich groß, von unterschiedlichster Bodenstruktur und der Salzgehalt und die Wassersichtigkeit schwanken ständig. Wer zum ersten Mal in diesem Gewässersystem fischt, hat arge Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden.

Im Vorfeld waren wir, das Team um Angeln-Ostfriesland, mit einigen Freunden ein paar Mal zum fischen vor Ort, allerdings mit tatkräftiger Unterstützung der Guides, die sich im gesamten Gebiet sehr gut auskennen. Nun waren wir allerdings vor die Frage gestellt, ob wir uns auch auf uns allein gestellt zurechtfinden sollten. Nach einigen Stunden am Wasser bei uns in Ostfriesland reifte dann der Plan, im Juni auf eigene Faust nach Rügen zum Hechtfischen zu fahren. Wir fragten im Freundeskreis herum, schnell waren vier ostseetaugliche Boote samt Besatzung in „Einsatzbereitschaft“. Zu unserer Reisegruppe gehörten Arnold, Arend und Rudi, Erhard und Gerrit, Stefan, Manni, Michael und Tilo, sowie Frank, Arno und ich. Wir waren von Anfang an überzeugt, dass wir unsere Chancen vervielfachen würden, wenn mehrere Boote das Gebiet nach unseren „Boddenhechten“ absuchen könnten.

In der Nacht zum Donnerstag, den 30.05. brachen wir mit unseren Autos und den getrailerten Booten auf. Nur ein kleiner Zwischenfall in Form eines heißgelaufenen Radlagers zwang zu einer längeren Pause. Trotzdem konnten wir das Problem in weniger als einer Stunde lösen, hatten wir doch alle schon unsere Erfahrungen mit dieser Art der Panne gemacht, und somit ausreichend Werkzeug und Know-How parat. Am Donnerstagvormittag trafen wir dann am Zielort ein. Die Ferienwohnung wurde bezogen und drei Boote zu Wasser gelassen, erst am Abend wollte die vierte Bootsbesatzung eintreffen. Schnell waren Liegeplätze und Angelpapiere beschafft und es konnte losgehen.

Wir fuhren in der Fahrrinne in Richtung der Ostsee, ohne jegliche Ahnung, wo wir fischen sollten. Frei nach dem Motto „nur ein Köder im Wasser, kann Hechte fangen“ begannen wir, die Fahrrinne mit unterschiedlichen Gummifischen in allen Farben und Größen abzufischen. Nach kurzer Zeit konnte Rudi seinen ersten Boddenhecht der Tour verhaften, dieser blieb leider der einzige für längere Zeit. Nachdem wir also in der gerade verlaufenden Fahrrinne wenig Erfolg hatten, suchten wir nach anderen Bodenstrukturen. Ein kleineres Plateau zeichnete sich schnell als Hot-Spot ab, so dass wir dort intensiv fischen und mehrere Hechte einsammeln konnten.

 

Wir fischten dort hauptsächlich mit 16er Kopytos in natürlichen Farben. Trotzdem war klar zu erkennen, dass bereits kleine Farbunterschiede, wie schwarz/weiß und schwarz/glitter über Erfolg oder Schneider entscheiden konnten. Gegen Abend konnte dann noch ein schöner Hecht von 96 cm gefangen werden. Mit diesem Auftakt waren wir mehr als zufrieden, so dass wir uns voller Erwartungen auf den nächsten Tag freuten.

 

Am Freitag waren wir nun also mit vier Booten komplett. Wir teilten uns großflächig auf und befischten ab 05.30 Uhr das Plateau des Vortages und die angrenzenden Fahrrinnen. Trotz aller Mühe hielt sich die Beißlaune des Vortages in den ersten Morgenstunden in Grenzen. Da sich das Wetter aus „Urlaubssicht“ von seiner schönsten Seite zeigte, entschieden wir uns, es auf der Ostsee auf Dorsch zu versuchen. Jedes Boot versuchte es in einer anderen Wassertiefe, so dass wir Tiefen zwischen 11 und 21 Metern befischen konnten. Relativ schnell gingen die ersten Dorsche auf unsere Gummifische.

   

 

Wir fischten dabei keineswegs mit schwerem Pilk-Gerät, sondern mit unseren Spinnruten und Gummifischen mit bis zu 30 gr. Jigkopf. Dank des GPS konnten wir ein großflächiges Gebiet systematisch absuchen und die abgespeicherten Hot-Spots immer wieder aufsuchen. Diese Technik erleichtert das Angeln ungemein und ermöglicht das Abspeichern jedes einzelnen Fangortes mit seinen genauen GPS-Daten. Der Tag auf der Ostsee war jedenfalls sehr denkwürdig!! Spiegelglattes Wasser bei strahlend blauem Himmel und selten eine längere Zeit ohne Dorsche.

 

Als wir etwas entspannter Fischen wollten entschieden wir uns zum Schleppangeln in der Ostsee, wurden dort doch in den letzten Wochen schon mehrere Hechte über 120 cm gelandet. Wir hielten uns also im Bereich der Küste auf und schleppten über Wassertiefen zwischen 6 und 10 Metern. Was wir allerdings nicht ahnten war, dass die Dorsche auch in diesem Tiefenbereich zahlreich vorhanden waren. Nicht selten waren gleich zwei Ruten gekrümmt, wobei sich die Dorsche mit aller Kraft gegen das fahrende Boot stemmten. Dies war Schleppangeln, wie wir es nie zuvor erlebt hatten. Aggressive Bisse, harte Drills und wunderschön gezeichnete Dorsche. Ein kleiner Unfall sorgte dafür, dass nach längerem Biegen und Brechen ein kapitaler Fang von über 70 kg vom Haken freikamJ: Bei einer Missglückten Landung bohrte sich der Drilling eines Wobblers so tief in meinen Arm, dass er nur durch Abkneifen und Durchstoßen wieder entfernt werden konnte.

Nachdem Arno, Frank und ich 57 Dorsche gelandet hatten, entschieden wir uns, es weiterhin auf Hechte zu versuchen. Wir verließen die Ostsee und befischten das Gebiet des Vortages. Innerhalb kürzester Zeit fanden wir einen echten Hot-Spot und landeten gleich mehrere Hechte. Wieder waren Fische über 90 cm dabei. Die vielen Bisse beim Dorschangeln und das zeitige Aufstehen am morgen zeigten allerdings ihre Wirkung, so dass wir nach ein paar Hechten in Richtung unseres Heimathafens fuhren. Abends beim Grillen ließen wir den Tag Revue passieren.

 

Der nächste Tag sollte der schwierigste Angeltag der Tour werden. Der Wind war stark, an eine ordentliche Köderkontrolle war nicht zu denken. Trotzdem sammelte jedes Boot den einen oder anderen Hecht ein, auch wenn bis zu diesem Zeitpunkt der von allen anvisierte Meterhechte auf sich warten ließ.

   

  

Erst am letzten Tag unserer Expedition, dem Sonntag, sollte unser Ziel erreicht werden. Tilo legte mit einem Hecht von 114 cm vor, den er auf einem großen Plateau verhaften konnte. Nachdem sich schnell zeigte, dass dieser Bereich nicht nur diesen einen Hecht beherbergte, eilte nach kurzer Zeit die per Funk benachrichtigte restliche Truppe herbei, so dass auch Arnold einen schönen Hecht von 109 cm landen und wieder in die Freiheit zurücksetzen konnte.

Der Plan, erst am darauf folgenden Montag abzureisen wurde kurzerhand korrigiert, denn ab Mittags war an kontrolliertes Angeln nicht mehr zu denken. Die Wellen wurden höher und höher, zunehmend bekamen wir Bisse, die auch bei bester Konzentration kaum zu verwerten waren. Somit reisten wir bereits Sonntags Abend wieder ab.

 

Fazit:

Die Tour hat einen riesigen Spaß gemacht. Ich denke, der Vorteil, mit einer größeren Gruppe ein neues Gebiet zu erschließen, war augenscheinlich. Sowohl was die Hot-Spots beim Hecht-, als auch beim Dorschfischen angeht, schnell wurden Erfahrungen ausgetauscht, so dass die ganze Gruppe zahlreiche Hechte und Dorsche fangen konnte. Nicht ohne Erwähnung sollten die kurzweiligen Attacken der Hornhechte bleiben, die regelmäßig für Gelächter an Bord sorgten.

Wir haben bereits die Pläne für eine nächste Tour geschmiedet, bei der hoffentlich neben vielen schönen Fischen auch der Wind einmal seine gnädige Seite zeigt.

 

Bis dahin, Ralf…

..und die Ostfriesen